top of page

Dritte Fahrt des Vereins Live Mitverfolgen

  • Autorenbild: Brücke nach Horishni Plavni e.V.
    Brücke nach Horishni Plavni e.V.
  • 5. Apr.
  • 12 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. Apr.


Zu den Medienberichten zu unserer dritten Fahrt gelangen sie HIER



05. April - Ostersonntag

13:30 Uhr

Wir starten. In ein gequältes Land. Im Krieg. Seit vier Jahren. Etwas beklommen aber voll Wissen, dass wir erwartet werden, machen wir uns auf den langen Weg. Im Gepäck haben wir Pässe, wichtige Unterlagen zum Grenzübertritt in ein Land außerhalb der EU und zudem im Krieg, Gastgeschenke und ein paar Ostereier. Unterwegs tragen wir uns noch in die Krisenvorsorgeliste (ELEFAND Elektronische Erfassung Deutscher im Ausland) des Auswärtigen Amtes ein. Nun sind wir gerüstet.


Dieter Stauber und Werner Nuber an dem Kleintransporter, gespendet von der GIZ
Dieter Stauber und Werner Nuber an dem Kleintransporter, gespendet von der GIZ

Dieter Stauber und Werner Nuber vom Verein Brücke nach Horishni Plavni  - wir machen den Anfang von Friedrichshafen aus mit einem Kleintransporter. In Nürnberg picken wir Matthias Eckmann, ebenfalls vom Verein Brücke nach Horishni Plavni, auf und Sofia Samoylova, sie kommt aus Frankfurt angereist.


Unsere Hilfslieferung ist nochmals ein dringend benötigtes Fahrzeug – ein Kleintransporter. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), handelnd im Auftrag verschiedener Ministerien der Bundesrepublik Deutschland, hat der Stadt Friedrichshafen einen neuen Mercedes-Transporter mit Hebebühne für Rollstuhl-FahrerInnen zur Spende an Horishni Plavni übergeben. Wir übernehmen nun die Auslieferung. Der Transporter ist, ähnlich wie die beiden im Herbst gelieferten Krankenwagen, nötig, um den (kriegs-)versehrten Menschen den Weg zu Arztbesuchen etc. zu erleichtern. (Der Youtube-Kanal des Fernsehsenders GOK berichtet)

Im Gepäck haben wir außerdem die bereits im Herbst 2025 im Ukrainischen Kulturzentrum in Friedrichshafen und Anfang des Jahres 2026 im Rathaus zu sehende Foto-Ausstellung „Serafima und Jevhen“ der Fotografin und Regisseurin Sofia Samoylova.

Sofia Samoylova verbrachte ihre ersten zehn Lebensjahre in Horishni Plavni, zog dann mit ihren Eltern nach Deutschland. Ihre Oma, zu der sie engen Kontakt pflegt, lebt weiterhin in Horishni Plavni. Ihr Großvater ist leider 2024 verstorben.

Die Künstlerin und Regisseurin Sofia Samoylova hat ihre Großeltern in den letzten Jahren fotografisch begleitet. Die daraus entstandene eindrucksvolle Ausstellung reist nun in ihre Heimatstadt.

Am 08.04.26 werden wir bei der Vernissage dabei sein.

Am 10.Mai 2026 wird das SWR-Fernsehen um 17 Uhr einen vergangene Woche gedrehten kleinen Film zu uns und zur Ausstellung zeigen! Merkt Euch das Datum gerne vor.


17:54 Uhr

Wir sind komplett, Matthias und Sofia sind zugestiegen.

Wir wechseln nun auch den Fahrer und nehmen unser Ziel – Grenzübertritt nach Polen und dann schlussendlich in die Ukraine wieder auf.









05. April - Ostermontag

3:40 Uhr

Wir stehen an der polnisch-ukrainischen Grenze. Auf der polnischen Seite. Die EU-Außengrenzen sind der Horror – was ein Segen, dass wir innerhalb der EU dieses Prozedere nicht mehr haben.

Nach etwa einer Stunde Warte- und Kontrollzeit stellte sich heraus, dass die Gestattung für den Transporter wohl zum 27.03. ausgestellt wurde, wir nun am 06.04. mit dem Auto nicht mehr aus Polen herauskönnen. Hektisches Bemühen seitens des Zollpersonals folgt, gepaart mit längeren Wartephasen. Das alles bei Regen und kaltem Wind in trostloser Dunkelheit. Der Humor hat uns gottseidank nicht verlassen und hilft, das unbekannte Procedere auszuhalten.


6:37 Uhr

Irgendwann entscheidet jemand, der etwas zu sagen zu haben scheint, dass wir neue Papiere ausgestellt bekommen. Wir sind erleichtert! Die ukrainische Seite akzeptiert die Papiere. Wir sind bereits nach vier Stunden durch!

Endlich, wir durften aus Polen ausreisen. Jetzt haben wir die Herausforderung der Einreise in die Ukraine vor uns.

 

7:40 Uhr

Wir wechseln den Fahrer, schlafen, checken Nachrichten und unterhalten uns leise. Nun sind wir hier, in der West-Ukraine. Knapp die halbe Strecke haben wir bis auf die Grenze komplikationslos geschafft. Was erwartet uns nun auf dem langen Weg durch dieses weite Land?



11:05 Uhr


Rund 1000 Kilometer geht es längswärts durch die Ukraine.

Teils über schwer schlaglöchrigste, teils über zweispurig bestens ausgebaute Straßen.

Durch Dörfer, flache Ebenen, Wälder, Industrieanlagen.

Der Krieg ist hier in der Westukraine wenig sichtbar, wären da nicht zwischendurch Beerdigungen von Soldaten, Panzer mit Ukraine-Fahne am Straßenrand als Mahnmal, Transporter mit Militärfahrzeugen. Und: um 9 Uhr stehen täglich für eine Minute der Verkehr und die Menschen still.



14:20 Uhr


Fahren durch Kiew. Tanken. Holen Kaffee und Snacks. Alles wirkt normal. Die Menschen ruhig, geduldig, freundlich.

Wir laden die Luftalarm-App auf unsere Handys um gewappnet zu sein. Es geht weiter. Vor uns liegen noch etliche Stunden und Schlaglöcher und hoffentlich kein Luftalarm.




16:00 Uhr

Die Fahrt zieht sich. Wir fahren noch relativ unbeschwert, jedoch mit der nötigen Ernsthaftigkeit. Und dann kommt der erste Luftalarm über die App. Wenig später die Entwarnung. Gottseidank.


20:00 Uhr

Wir sind angekommen!


Die Fahrt von Kiew nach Horishni Plavni zieht sich lange, vor allem die letzten 100 Kilometer gehen durch Pechdunkelheit. Straßenschäden lassen in ihrem Ausmaß Straßen kaum mehr als solche erkennen.

Um kurz nach 21 Uhr ukrainischer Zeit kommen wir - grundmüde aber glücklich - an!

Freundlich werden wir von unseren zwei uns von den letzten Besuchen in Horishni Plavni bekannten Fahrern empfangen. Sie werden uns die nächsten drei Tage mit einem VW-Bus von Ort zu Ort fahren und begleiten.

Heute geht es in eine Pension, die Matthias Eckmann, Dieter Stauber und Werner Nuber alleine beziehen. Sofia Samoylova übernachtet bei ihrer Oma.

Für uns wurde ein Abendessen besorgt, mit dem wir den Tag ausklingen lassen.



06. April


Heute haben wir durchchoreografiertes Programm: morgens erfahren wir von einem Historiker und Archäologen von den geschichtlichen Wurzeln. Die Region hatte bereits lange vor der Stadtgründung vor über 60 Jahren Bedeutung, u.a. vor 300 Jahren bei einem Krieg zwischen Schweden und der Schweiz, im ersten Weltkrieg war ein Arbeiterlager mit Kriegsgefangenen eingerichtet, im zweiten Weltkrieg fand die Schlacht am Dnepr statt.

Geschichtsschreibung hat hier große Bedeutung. Über Jahrzehnte wurde Geschichte im Interesse der Machthaber interpretiert, dargestellt, gefälscht. Und auch heute liegen entscheidende Akten in Moskau. Aktuell sind eine Freigabe oder Veröffentlichungen bis 2040 nicht erlaubt. Der Versuch neutral Geschichte zu erfassen, ist hier sehr anstrengend.

Wie sich die Welten unterscheiden…


Mittags dann die offizielle Begrüßung durch Bürgermeister Bykop. Fernsehen, Radio und Presse ist dabei. Von unserer Seite begrüßen Dieter Stauber und Werner Nuber.



Später konnten wir den Transporter übergeben. Sehr große Dankbarkeit wird uns dafür und auch für unseren Besuch entgegengebracht. Der hinter der Bevölkerung liegende Winter war sehr hart. Zum Teil mit Minus 20 Grad Kälte, die Energie-Infrastruktur wurde mehrmals von Russland angegriffen und getroffen, mehrere Ausfälle mussten kompensiert werden.

Der Großgenerator, den wir vermittelt haben und dessen Transport samt Organisation des Transportes der Rotary Club Friedrichshafen übernommen hat, tat überlebenswichtige Dienste.


Und wieder: alles wirkt normal, wie Business as usual. Gleichzeitig ist alles im Kriegsmodus, seit Beginn des Krieges 136 tote Soldaten aus Horishni Plavni. Vergangene Woche waren es vier.

2200 junge Männer aus Horishni Plavni sind derzeit an der Front. 2200 Menschen von 50.000 Einwohnern!


22:20 Uhr

Der Tag ist vorüber. Wir fallen in die Betten. Fliegeralarm geht los. Wenig später kommt die Entwarnung.



07. April

5:30 Uhr

Die Sonne geht auf. Draußen zwitschern die Vögel. Die Sirenen gehen gleichzeitig im Hintergrund los, leiser gestellt, man hat die AlarmApp, sie rappelt. Fliegeralarm.

Der krasse Zusammenprall dieser Realitäten, strengt uns unheimlich an. Gleichzeitig - wir gehen wieder. Die Einwohner hier, sie bleiben, seit vier Jahren.


Nachgedanken zum gestrigen Tag:

In den zahlreichen Gesprächen, die Sofia stets übersetzt, haben wir viel erfahren. Einiges hängt in den Gedanken nach. Die Kinder des Kindergartens machen Mittagspause im Keller-Bunker, damit sie bei Luftalarm nicht geweckt werden müssen. Täglich. Seit Jahren.

Wir bekommen diese verschiedenen Eindrücke schwer zusammen.

Politik ist allgegenwärtig. Verdeckte Kritik an der Regierung zu vielen Punkten.



Heute wird die Ausstellung der Künstlerin Sofia Samoylova eröffnet: ,Serafima & Jevhen‘. Die von ihr porträtierte 94 jährige Großmutter ist ebenfalls anwesend. Sofia übersetzt für uns alle Reden ins Deutsche und die Ansprache von Werner Nuber ins Ukrainische.



Mittags besuchen wir auf unseren Wunsch hin das Krankenhaus. Sie haben über den Verein durch die letzte Fahrt die Rettungswägen und die Behandlungsliege erhalten. Beides ist täglich im Einsatz und so dringend notwendig. Hier erfahren wir den drängenden Bedarf weiteren Hilfsmaterials! Die Arbeits-Zunahme um ca 200% (!) durch die Verletzten von der Front, aber auch von einheimischen Schlaganfallpatienten und -patientinnen, bringt das Krankenhaus an Kapazitätsgrenzen. Die Bevölkerung ist insgesamt älter geworden und sicherlich trägt der Krieg zur Erhöhung der Schlaganfälle das seinige bei. Das Krankenhaus muss erweitert werden. Ebenso sind medizinische Rehageräte für den täglichen Einsatz absolut notwendig ebenso wie Trainingsgeräte zur Reha nach Schlaganfällen, zur Wiedererlangung von Beweglichkeit nach Amputationen bei Verwundeten. Wir hören genau zu, stimmen uns mit dem uns bekannten Arzt ab und nehmen gerne eine Bedarfsliste mit nach Hause. Der Verein wird hier unterstützend tätig werden können!

Die Ärzte wieder zu treffen, die diesbezüglich unsere Ansprechpartner sind, war mit Freude gefüllt. Inzwischen kennen wir uns. Sie alle leisten Unglaubliches!




Heute besuchen wir auch die größte Schule Horishni Plavnis.

Sie ist für 2000 Schüler und Schülerinnen konzipiert. Aufgrund des Krieges und des Wegzugs vieler Familien werden aktuell nur etwa 1000 dort von Klasse 1 bis 11 unterrichtet.

Für uns ist einiges Unbekanntes dabei:

- an der Schule wird Künstliche Intelligenz als Schulfach angeboten

- ebenso Drohnenbau in Theorie und Praxis, inklusive einer Übungsmöglichkeit auf einem Drohnenflugübungsplatzes

- im Keller ist ein Bunker für mehr als 1000 Menschen, die dort 48 Stunden versorgt werden können. Leider musste dieser Bunker über die Wintermonate mehrfach genutzt werden. (Bericht der Tagesschau zu einer Untergrundschule in Saporischja)



Zum Abschluss des Tages besuchten wir noch die Wasserwerke der Stadt. Ein für uns weiteres, sowohl eindrucksvolles aber vor allem auch berührendes Ereignis. Hier wurde der gespendete Großgenerator, der vom Rotary Club Friedrichshafen nach Horishni Plavni übergeführt wurde, eingesetzt. Ein besonders großer Dank geht hier an dieser Stelle seitens der Stadt an Rotary! Ein Ingenieur erklärte uns die enorme, ja überlebensnotwendige Bedeutung dieses Generators.

Der Generator war mehrmals rettend im Einsatz, nachdem die Stromversorgung getroffen worden war. Es wurde entschieden, ihn für die Warmwasseraufbereitung zu nutzen. Ohne warmes Wasser, so erklärte der Fachmann, wäre ein Überleben in den eisigen Wintermonaten nicht möglich gewesen.



Der Tag endet heute mit einem gemeinsamen Abendessen und einem Spaziergang durch den neu angelegten Park. Zentral dort ein in blau-weiß leuchtender Zeppelin, nach Friedrichshafen ausgerichtet! Welche Ehre!

Die Gespräche bewegen sich im breiten Spektrum zwischen freudvollem Genießen und miteinander Lachen, trinkspruchvollem Anstoßen und tiefgehenden Nachfragen, etwa wie die Familien der gefallenen Soldaten begleitet werden, wie die Bestattungen gestaltet sind, wie die finanziellen Absicherungen aussehen. Manchmal stocken oder stoppen wir dann die Gespräche, weil sie zu nahe gehen.



08. April

4:00 Uhr

Ich überschlafe einen Alarm.


Der heutige Tag war gespickt gefüllt mit Besuchen:

- der größten Eisenerzmine im eurasischen Raum

- der städtischen Bibliothek

- der Wasser- und Stromversorgungseinrichtung, alles auf sehr neuem Stand!

- der Gräber der Gefallenen Horishni Plavnis

- des Kulturzentrums

- einer weiterführenden Schule samt Schulbunker, in dem der Unterricht bei Alarm weiter geht

- des Olympiastützpunktes, die Stadt ist nationales Olympiazentrum. Sport spielt hier eine große Rolle!



Wieder extreme Gegensätze. Wir haben sehr viel über das städtische Leben und Überleben erfahren, gleichzeitig mehrere Luftalarme, viele Stromausfallzeiten. Die Selbstverständlichkeit wie damit umgegangen wird beeindruckt, aber macht auch nachdenklich.

An jedem Tag, an dem wir hier sind, fand mindestens eine Beerdigung eines Soldaten statt, die Cafés und Restaurants sind leer, jede Schule und jeder Kindergarten hat einen Luftschutzkeller. Hier wird selbstverständlich bei Alarm weiter unterrichtet.

Im Gespräch heißt es lapidar‚ wir können nur so damit umgehen. Aber jeder und jede ist stark belastet und bei allen ist es irgendwann zu viel, was ausgehalten werden kann‘.


Und unsere Rolle?

Wir bringen Hilfe und vor allem Solidarität! Solidarität, die überlebenswichtig ist - und Hoffnung auf eine Zukunft in Frieden schenkt!

Wir machen weiter!


Heute Abend werden wir in die Nachbarstadt Kremenchuk zum Zug gebracht. Um 23.30 Uhr ukrainischer Zeit starten wir nach Kiew. Ankunft morgen um 5 Uhr, um nach dem Besuch der Zentrale von Zeppelin GmbH in den Flixbus nach Krakau zu steigen. Hoffentlich geht alles ohne größere Gefahr vonstatten.


Wir sind nun mit vielen Eindrücken gefüllt. Wie kann dies von den Menschen hier alles gemeistert werden? Dauerbelastung und Ängste überlagern jegliches Tun. Durchkommen ist oberste Priorität! Und dann: die Suche nach Lebensfreude und Kraft zum Durchhalten!


Wir sind mittendrin in der nächsten Planung, sortieren, wie werden wir weiter unterstützen.

Fest steht:

- wir organisieren verschiedene Geräte für die medizinische Reha

- bereiten eine Fahrt im Herbst vor. Wir werden zwei Feuerwehrtransporter nach Horishni Plavni bringen

- werden von der GIZ Weiteres gespendet bekommen, was wir nach Horishni Plavni bringen

- laden vermutlich Jugendfußballmannschaften nach Friedrichshafen ein

- sowie eine kleine Gruppe aus dem Sozialbereich, um sie bei uns in verschiedenen psychosozialen Einrichtungen hospitieren zu lassen.


Vieles vieles mehr ist möglich!

Der Fernsehsender GOK hat über unsere Fahrt und die Spende des Kleinbusses berichtet. (Untertitel können von YouTube automatisch übersetzt werden.)


Auch über das Treffen mit dem Bürgermeister Bykop und den Austausch vor Ort wurde berichtet. Besonders die Partnerschaft sowie die regelmäßige Unterstützung werden hervorgehoben.



09. April

Unser Aufenthalt geht zu Ende.

Abschied in Horishni Plavni bedeutet auch die Menschen hier zurückzulassen. Wir gehen wieder ins sichere Deutschland und unseren gewohnten Wegen nach. Die Menschen hier bleiben den permanenten Angriffsbedrohungen ausgesetzt. Seit mehr als vier Jahren zermürbt dies, ungewiss wie lange es noch anhalten wird. Sie werden noch viele weitere Soldaten beerdigen müssen, hunderte Alarme aushalten, viele Stunden in Luftschutzkellern verbringen, unzählige Stromausfälle ertragen, mit verknappten Ressourcen kreativ-flexibel umgehen müssen, auf Kultur und Lebensfreude im öffentlichen Raum verzichten, mit traumatisierenden Ereignissen zu leben lernen.

Sie werden sich noch unzählige Male fragen, wie sie dies alles ertragen können und verzweifelnd um Hoffnung für ein besseres Morgen, wann immer dies auch sein mag, ringen.

Wir reisen nun zurück in das sichere Deutschland mit der Gewissheit mit unserem kurzen Teilen des Alltags, mit unserem Mitgefühl die Hoffnungsfunken genährt zu haben. Wir gehen zurück mit der Überzeugung, wir werden und müssen weiter unterstützen: mit konkreter Hilfe und mit Nähren der Durchhaltekraft.



10. April


Heute Morgen - Ankunft mit dem Nachtzug um 5 Uhr in Kiew. Wir hatten gemeinsam zu viert ein Abteil mit zwei Stockbetten. Die Nacht war wackelig und auch kurz. Trotz allem konnten wir alle zumindest für wenige Stunden kurz die Augen zum Erholen schließen.

In Kiewer Hauptbahnhof ist bereits wuseliges Leben. Wir schließen unser Gepäck ein, holen einen Kaffee und machen uns in die Stadt auf zum Maidan - an den Platz, auf dem die letzten zwei Jahrzehnte regelmäßig der Protest gegen Autoritarismus, Unrechtmäßigkeit und Manipulation aufflammte.


Maidan Platz in Kiew
Maidan Platz in Kiew

Auch hier: jeder Gefallene aus Kiew bekommt ein Porträt, ein öffentliches Andenken. Würde.

Gedenkentafeln an die orangene Revolution, eroberte Panzer und ein Freedom-Kunstwerk prägen den durch Weite imponierenden Platz mit.


Bevor wir mit dem Taxi zur ukrainischen Zentrale des Zeppelin GmbH-Konzerns weitergehen, besuchen wir noch die orthodoxe Sophia-Kathedrale. Sie ist aufgrund des heutigen (orthodoxen) Karfreitags schon früh am Morgen geöffnet.




Zum Abschluss besuchen wir die ukrainische Zentrale ‚unseres’ Friedrichshafener Stiftungskonzernes Zeppelin GmbH. Aktuell arbeiten etwa 400 Mitarbeitende an 14 Standorten in der Ukraine, 120 davon in Kiew. Die Themen wiederholen sich: die Mitarbeitenden freuen sich sehr an unserem Kommen - wir sind die ersten aus Deutschland, die sie in den letzten vier Jahren besuchen um mit dem Besuch Achtung und Wertschätzung auszudrücken.



Die Arbeit muss unter Mangelbedingungen erfolgen, regelmäßig, fast täglich, muss bei Luftalarm im firmeneigenen Luftschutzbunker weitergearbeitet werden. Einmal mussten 22 Stunden am Stück dort verbracht werden bis Entwarnung kam.

Das Klammern an der Hoffnung auf eine Zeit in Frieden hilft den Wahnsinn auszuhalten und durchzustehen.


Seit Mittag sitzen wir nun im schaukelnden Flixbus mit Direktion Krakau. Die Grenze werden wir wohl heute Nacht zwischen 1 und 2 passieren, um irgendwann am Vormittag Krakau und den Frieden zu erreichen. Unser Flieger nach Memmingen hebt am frühen Nachmittag ab.

Wir sind mit unseren Gedanken beschäftigt, den Eindrücken, der Fassungslosigkeit bezüglich dieses Überfalls auf ein Nachbarland, der Bewunderung hinsichtlich erworbener Kreativität im Umgang mit dem Bedarf rascher, tragfähiger Lösungen, dem Aushalten immer neuen Leids und mit unserer Rolle. Unsere Fahrten sind nicht nur Material-Lieferungen. Sie sind Licht, Begegnung und Kraftquelle für unsere Mitmenschen in der Ukraine. Nicht vergessen zu sein, nicht am Ende aller Dinge zu stehen. Passend zur österlichen Zeit.



11. April

2:00 Uhr - Zollformalitäten

Der ukrainische Zoll schaut unseren jungen Mitreisenden Matthias Eckmann genau an. Ah, Deutscher. Er darf ausreisen, ist kein Ukrainer, der eingezogen werden könnte. Nach einem kurzen Gespräch über den Grund seiner Ukraine-Reise entlassen sie ihn nach Polen mit aufrichtigem Dank für sein Engagement für ihr Volk!


Weiter im Flixbus, noch 4 Stunden. Der Bus ist voll besetzt, Junge, Alte, Frauen, Männer, Kinder... Und wir. Wir sind müde. Und, ja, glücklich. Eine sehr sinnvolle Fahrt. Anteilnahme, ja, das ist es, was unseren Mitmenschen in der Partnerstadt so viel gibt. Gesehen werden, Interesse erfahren, Wir-haben-Euch-auf-dem-Schirm und Wir-kommen-wieder und Wir-lassen-Euch-teilhaben-in-Friedrichshafen. Europa, Frieden, Zusammenhalt, offene Grenzen. Hoffentlich kann das so bleiben.


6:00 Uhr

Wir sind in Krakau. Löschen wir die Luftalarmapp oder lassen sie aus einem tiefen Bedürfnis der Solidarität installiert? Ja, wir lassen sie.


16:30 Uhr

Wir sind sicher in Memmingen gelandet. Noch die im Vergleich kurze Autofahrt und unsere Reise als solche kommt zu einem Ende - unser Blog auch. Wir haben Euch sehr gerne mit auf die Fahrt genommen, es war uns wichtig, Euch so nah wie möglich teilhaben zu lassen!

Zu Hause werden wir nun erstmal ankommen, Eindrücke sortieren, mit Dankbarkeit auf den Frieden in Europa, in unserem Land schauen und dann ganz sicher die nächsten Schritte zusammen mit dem Verein Brücke nach Horishni Plavni planen. Wir freuen uns über breite Unterstützung, Rückmeldungen, Spenden, Mitwirken.


Unsere öffentlichen Vorstandssitzungen finden jeweils um 17:30 Uhr im Ukrainetreff Hochstraße 1 in FN statt. Nächste Termine: 06.05.26, 03.06.26 und 01.07.26. Ihr seid sehr offen dazu eingeladen! Wir werden am 06.Mai nochmals von unserer Fahrt berichten. Alle Neuigkeiten findet Ihr stets auf unserer Homepage, einfacher noch, wenn Ihr den Newsletter abonniert. Danke sehr für Euer Interesse, für das Mit-dabeisein über den Blog, Eure Unterstützung und das Weiterteilen! Gute Dinge gelingen noch besser, wenn Viele sie unterstützen! Euer Werner Nuber, Matthias Eckmann, Dieter Stauber und Sofia Samoylova.

Für die Gestaltung des Blogs, Gabi Haßler und die Gestaltung auf der Homepage, Florian Schiffel


19:30 Uhr

Zu Hause, Frieden, Sicherheit, Erzählen.


Ankündigung: Im Podcast "zwischendurch politisch" am 18.04.2026 ab 10 Uhr berichten die beiden Hosts und Ukraine-Fahrer Matthias Eckmann und Werner Nuber zusammen mit Dieter Stauber von der vergangenen Reise in die Ukraine, den Erfahrungen, den Eindrücken und Gedanken und den weiteren Plänen. Hört gerne rein.

Den Blog gibt es mittlerweile als Audio-Sonderfolge von "zwischendurch politisch". Der Podcast ist aufrufbar insbesondere über Spotify. Hört gerne rein.



 
 
bottom of page